Wissen Sie über Weihnachten Bescheid
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Unter den nachstehenden Begriffen werden Ihnen fast alle Fragen, die sich um Advent und Weihnachten ranken, beantwortet. 

Schauen Sie bitte auch unter "Weihnachtsbräuche"

 

 

Bedeutung des Wortes Advent

Ankunft heißt auf lateinisch adventus, daher kommt der Name Advent. Ist es doch die in den christlichen Kirchen in den Wochen nach den vier Advents- Sonntagen vor Weihnachten festlich begangene Zeit der Vorbereitung und Erwartung der Ankunft Christi in der Welt. Westliches Kennzeichen dieser weihnachtlichen Vorbereitungszeit sind mancherlei, teilweise noch auf germanische Glaubensvorstellungen zurückzuführende volkstümliche Bräuche. Besonders weit verbreitet ist die Sitte der Adventskalender, -kränze, -lieder und -sänge, im bayrisch-alemannischen Raum sind es mancherlei Maskenumzüge; vgl. auch Andreastag, Barbarazweige, Lucia, Nikolaus und Thomastag.

 

Festlegung der Adventszeit

Im 6.Jahrhundert nach Christi Geburt wurde von Papst Gregor dem Großen die Adventsliturgie in ihren Grundzügen festgelegt. Die 4 Wochen Adventszeit ("Ankunft" Gottes in der Welt) sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten muss. Durch Übernahme gallischen Brauchtums war die Adventszeit zur Buß und Fastenzeit geworden.

Papst Pius V. schrieb dann endgültig die römische Adventsliturgie für die Kirche nieder.

Mit dem ersten Advent beginnt das Kirchenjahr. Die Liturgische Farbe ist violett.

Die Adventzeit beginnt mit dem 1. Sonntag nach dem 26. November und endet immer mit dem 24. Dezember – somit dauert sie 4 Sonntage.

 

Theologie der Adventszeit

Pius XII. erklärte in seiner Enzyklika 'Mediator Dei':

"Das liturgische Jahr, von der Frömmigkeit der Kirche genährt und begleitet, ist nicht eine kalte, leblose Darstellung längst vergangener Dinge oder eine einfache, bloße Erinnerung an Ereignisse aus einer frühen Zeit. Vielmehr ist es Christus selbst, der in seiner Kirche fortlebt und der da den Weg seines unermesslichen Erbarmens weitergeht, den er selbst in diesem sterblichen Leben, als er Wohltaten spendend dahinging, begonnen hat in der liebevollen Absicht, dass so die Menschen mit seinen heiligen Geheimnissen in Berührung kämen und sozusagen in ihnen lebten."

So wird das Kirchenjahr zum 'Christusjahr'. In der Adventszeit wird wie in jeder Festzeit dieses Christusjahres eine dreifache Sicht deutlich: die der memoria, die des mysteriums und der prophetia.

Die memoria ist die Erinnerung des einmaligen Geschehens der Vergangenheit. In der Adventszeit wird in diesem Sinne erinnert an das jahrtausendelange Warten des Heilsvolkes der Juden auf den Messias (ein Warten, das nur für die Christenheit mit der Geburt Christi beendet wurde) und das Warten aller adventlichen Völker auf den Heilbringer, der ihre Sehnsüchte, Träume, Wünsche ... erfüllt.

Solche memoria wird zum Mysterium, zum Heilsgeschehen hier und heute. Der Christ (und mit ihm die Menschheit) wartet auf das Kommen des Messias, das für den Christen in der Weise des Sakramentes am Fest der Geburt Jesu Christi Gegenwart wird.

Der jährlich gefeierte Advent wird dabei transzendiert zum Advent des christlichen Lebens, da der Christ mit dem Gottesvolk (und wieder: der Menschheit) auf die 'Zweite Weihnacht', das endgültige Kommen des Kyrios, wartet, womit der Gedanke der prophetia deutlich ist.

Das adventliche Warten hier und heute ist liturgisch geprägt durch den Parusiegedanken (Jüngstes Gericht), der vor allem am ersten Advents- Sonntag dominiert, und vom Bußgedanken, in dessen Dienst die liturgischen Texte der übrigen Adventssonntage stehen. Dazu kommen die violette Farbe der Messgewänder, das fehlen des Gloria in der Liturgie und die 'geschlossene Zeit', die bis heute feierliche Trauungen, Tanz- Veranstaltungen verbietet. Dennoch hat sich der strenge Bußgedanken im Advent nie so durchgesetzt wie in der österlichen Bußzeit. Zu groß war die Vorfreude auf das kommende Fest (das dem Herzen des Volkes näher steht als alle andern des Kirchenjahrs); zu viele Feste beliebter Heiligen, wie Gottesmutter, Barbara, Nikolaus und Luzia, drängten den Bußcharakter zurück.

 

Adventskalender

Der Adventskalender ist ursprünglich dafür gedacht, insbesondere Kinder auf das Weihnachtsfest hinzuführen. Während die Motive des Bildhintergrundes und die Herstellungsweise wechseln, bleibt die Anzahl der Kästchen mit 24 konstant, hinter deren aufklappbaren Türchen sich Bilder oder kleine Überraschungen verbergen. Dies entspricht den Tagen vom 1. Dezember bis Heilig Abend.

Gerhard Lang druckte 1903 in München den ersten Adventskalender. Innerhalb weniger Jahre wurden dann solche Kalender populär. Nach 1920 fand er auch international Anerkennung.

Von Beginn an war der Adventskalender als Handelsartikel entworfen und kommerziell genutzt. Diese kommerzielle Auslegung führt dazu, dass christliche Motive ganz in den Hintergrund treten und Comicfiguren an deren Stelle treten. Im Zuge der Kulturpolitik im Dritten Reich, ersetzte man die christlichen Motive durch Märchenfiguren, die germanisch-mythische Götter und Dämonen versinnbildlichen sollten.

 

Adventskranz

Schon aus der Antike kennen wir den Kranz als Siegeszeichen. Symbol für den keineswegs aussichtslosen Kampf des christlichen Menschen gegen das Dunkle des Lebens soll auch der mit vier Kerzen geschmückte Adventskranz sein. Diese schöne Sitte ist übrigens ein sehr junger vorweihnachtlicher Brauch, der noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen deutschen Familien unbekannt und keineswegs der Vorläufer des Weihnachtsbaums war.

Geht man den Spuren der wenig mehr als hundertjährigen Geschichten des Adventskranzes nach, so stößt man auf den evangelischen Theologen Johann Wichern (*1808, +1881), den Begründer und Bahnbrecher der Inneren Mission, der 1833 in Hamburg-Horn das "Rauhe Haus" gründete. In dieser Anstalt der Inneren Mission brannten um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die ersten Adventsleuchter. Schon für eine Andacht am 1. Advent des Jahres 1838 bezeugen die Tagebücher des jungen Wichern die Benutzung von kranzförmig aufgestellten bunten Wachskerzen.

1840 wurde auf den Kronleuchter des Betsaales vom 1. Advent an jeden Tag ein Licht mehr angezündet. Für 1851 wird auch der Schmuck mit Tannengrün berichtet. Allmählich hat sich die Sitte des Adventkranzes dann von Norddeutschland weiter verbreitet, aber erst in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg hat die Jugendbewegung dem Adventskranz zu seiner heutigen Verbreitung verholfen.

 

Barbaratag – Barbarazweige - Legende der heiligen Barbara

Die heilige Barbara lebte im 3. Jahrhundert in Nikomedia in Kleinasien. Heute heißt die Stadt Izmit und ist eine türkische Stadt am Marmarameer (nördliches Istanbul). Ihr Vater, ein Heide, liebte seine Tochter über alles. Da er jedoch auch sehr eifersüchtig und argwöhnisch war, sperrte er sie immer in einen Turm ein, wenn er verreisen musste.

Obwohl Barbara sehr reich war, war sie dennoch sehr einsam und unglücklich. Als sie dann die christliche Religion kennen lernte, sah sie in einem christlichen Leben ihre Aufgabe und ließ sich taufen. Dies war in der Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius in den Jahren 249 - 251.

Die Legende erzählt nun, dass der Vater, als er von einer Geschäftsreise zurückkam, erstaunt feststellte, dass der Turm statt zwei Fenster wie bisher drei Fenster aufwies. Als er seine Tochter zur Rede stellte, gestand sie ihm, dass sie Christin sei und zur Erinnerung an die heilige Dreifaltigkeit drei Fenster im Turm haben wollte.

Der Vater war entsetzt und versuchte alles, um sie vom Christentum loszureißen. Aus Enttäuschung und Wut über ihren Starrsinn zeigte er sie selber an. Sie wurde gefangen genommen und starb für ihren Glauben. Den Vater erschlug unmittelbar nach der Untat der Blitz.

Das Brauchtum mit den Barbarazweigen soll auf ihre Gefangenschaft zurückgehen. Hier hat sie einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt. In den letzten Tagen im Bewusstsein ihres Todesurteils fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte.

Sie ist nicht nur eine der 14 Nothelfer der katholischen Glaubenswelt, sondern gilt sogleich als Schutzpatronin der Artilleristen, Bergleute, die für sie am Barbaratag ein Licht im Stollen brennen lassen, Gefangenen, Glöckner, (viele Kirchenglocken tragen ihren Namen), Architekten und Waffenschmiede.

Um den 4. Dezember als Gedenktag an diese Märtyrerin rankt sich ein reiches Brauchtum. Besonders bekannt und verbreitet ist die Sitte, am Barbaratag einen Apfel-, Kirsch-, Kastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienzweig zu schneiden und in das geheizte Zimmer zu stellen. Kommt der Zweig gerade am Weihnachtsfest zum Blühen, so wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet.

 

Nikolaus

Der Nikolaus hat wirklich gelebt, und zwar im 4. Jahrhundert n. Chr. als Bischof von Myra in Kleinasien. Dieser als volkstümlicher Heiliger verehrter Schutzpatron der Kaufleute, Bäcker, Schiffer und Schulkinder wird in der Kunst häufig als Bischof mit Mitra und Krummstab, aber auch mit Broten, Äpfeln und anderen Geschenken dargestellt. An diese Verehrung knüpft der Brauch, vor allem die Kinder am 6.12., dem Nikolaustag, oder am Abend vorher zu beschenken.

Seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer der Kinder belegt. Der evang. Theologe Kirchmeyer schrieb: "Vor dem St. Nikolaustag legen Mütter für ihre Kinder Geschenke und eine Rute bereit.

Nikolaus beschenkte die Kinder damals mit Nüssen, Kletzenbrot und Dörrobst, aber auch mit Kleidung und anderen nützlichen Dingen des täglichen Lebens.

Im Mittelalter war es Brauch, dass Klosterschüler am Vorabend des Nikolausfestes einen "Kinderbischof" wählten. Dieser bekleidete sich mit den Gewändern eines Bischofs und begutachtete die Klosterschule. Er bestrafte und belohnte Schüler, letzteres auch mit Süßigkeiten.

Das Gedenken an den Bischof von Myra ist katholischen Ursprungs und wurde von Martin Luther abgeschafft. Doch der Brauch lebte bis zum heutigen Tage weiter!

Ab dem 17. Jhdt. bekam der Nikolaus einem Begleiter (Knecht Ruprecht), der die Kinder beschenkte oder auch wegen ihres unchristlichen Tuns tadelte!

Im 19. Jhdt. wurde die Nikolausgestalt immer mehr verweltlicht. Er wurde zunehmend in den Medien zum Weihnachtsmann oder Santa Claus.

 

Knecht Ruprecht

Ursprünglich war er der bärtige und vermummte Begleiter des heiligen Nikolaus, dessen Festtag, der 6.12. vielerorts schon im Mittelalter als Beschertag für die Kinder begangen wurde. Auch als Ruprecht, Knecht Nikolaus, Nickel, Pelznickel, Pelzmäntel, Hans Muff, Hans Trapp (Elsass) oder Krampus wie in Österreich, zog er in pelzbesetzter Kleidung, meist mit einer Rute in der Hand und einem Sack voller Geschenke über der Schulter, von Tür zu Tür.

Im Verlauf der Entwicklung des Brauchtums wurde der Knecht Ruprecht bisweilen dem Heiligen gleichgesetzt, dann aber vom Nikolaus getrennt und schließlich zu einem selbständigen Geschenkbringer, der den Kindern am Nikolausabend (5.12.) Nikolaustag (6.12.) oder am Heiligabend als Weihnachtsmann oder Begleiter des Christkindes seine Gaben beschert.

Die Figur Hans Trapp geht auf einen Hofmarschall des Kurfürsten von der Pfalz zurück, der Hans von Dratt hieß und seine Bauern im 16. Jahrhundert so drangsaliert hatte, dass er in Südwestdeutschland zum Kinderschreck geworden ist.

In manchen Gegenden kennt man den Erbsbär, der in den Kämpfen zwischen Sommer und Winter in einem Zottelgewand aus Erbsenstroh auftaucht und begleitet von einem Engel und einem Teufel von Hof zu Hof zog.

 

Der Nikolausstiefel

Der bekannteste Brauch zum Nikolaustag ist der, dass die Kinder Ihre geputzten Schuhe am Vorabend ans Fenster oder vor die Tür stellen und der Nikolaus diese über Nacht mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken füllt.

 

Sankt Lucia

Sie lebte vor mehr als 1600 Jahren in Syrakus in Sizilien. Luzia war Christin. Damals hat sich das Christentum rund um das Mittelmeer ausgebreitet. Aber die Christen wurden verfolgt. Auch Luzia fiel den Verfolgern in die Hände. Die Legende erzählt, dass sie von Ochsen zu Tode geschleift werden sollte. Doch sie bewegten sich nicht von der Stelle, so sehr man sie auch antrieb. Da wurde Luzia erstochen. Sie starb für ihren Glauben an Christus.

Die Legende weiß auch zu berichten, dass Luzia ihren Glaubensgenossen Lebensmittel in die Verstecke brachte. Damit sie beide Hände frei hatte zum Tragen der Speisen, setzte sie sich einen Lichterkranz aufs Haupt, damit sie in der Dunkelheit den Weg fand.

In Schweden wird das Fest der Heiligen Luzia auf besondere Weise gefeiert. Dort ist es im Dezember nur wenige Stunden hell, so dass die Menschen das Licht mehr zu schätzen wissen. Die älteste Tochter im Hause stellt die Heilige dar. Sie trägt einen grünen Kranz mit einer Reihe brennender Kerzen. So geht sie Morgens von Zimmer zu Zimmer und weckt die Eltern und Geschwister auf. Alle warten schon darauf, denn Luzia bringt die ersten Kostproben der Weihnachtsplätzchen mit. Aber eigentlich bringt sie noch mehr mit: Ihr Licht erhellt den Morgen des neuen Tages, die brennenden Kerzen sind Vorboten des Weihnachtslichtes.

Auch manche Pfarrgemeinden bei uns feiern die Heilige Luzia mit einem besonderen Gottesdienst. Nach schwedischen Vorbild zieht Sankt Luzia im weißen Gewand, umgürtet mit einer weißen Schärpe, gekrönt mit einer Lichterkrone, begleitet von ihren Gefährtinnen, in die dunkle Kirche hinein. Sie verkündigt die nahe Geburt Christi, der das wahre Licht der Welt ist.

 

Thomastag

Er war der Apostel, der an der Auferstehung des Herrn zweifelte und erst dann glaubte, als er die Hand in Christi Wunden legen durfte. Ihm soll die längste Nacht und der kürzeste Tag des Jahres zugeteilt worden sein, weil er am längsten an Christus gezweifelt hat, also am längsten in der dunkelsten Nacht des Unglaubens verharrte.

Am Thomastag (21.12.) begegnet man vielen Sitten, die man in der Sylvesternacht wiederfindet: heiratslustige Mädchen bleiben bis Mitternacht auf, wenn sie dann ins Wasser oder in den Spiegel schauen, so sehen sie das Gesicht des Zukünftigen.

Auch die Christen haben diesen Tag immer mit großem Nachdruck gefeiert, mit Nachtwachen, mit den Versuchen, in Gebeten die Zukunft zu erforschen, mit Segenswünschen für alle Nachbarn.

 

Thomasorakel

Am Thomastag streut man in Bayern Gerstenkörner in einen Blumentopf mit guter, gehaltvoller Erde und stellt ihn in die warme Stube. Nach Weihnachten kann man von der Gerste ablesen, wie das Wetter im nächsten Jahr wird. Jeder Tag nach Weihnachten entspricht einem Monat im Jahr. So kann man Feuchtigkeit, Trockenheit, starkes Wachstum, frühes Gilben, usw. an der Gerste ablesen.

 

Heilig Nacht - Heilig Abend

Die Julnacht ist die längste Nacht des Jahres. Die Kelten, Germanen und andere Volksstämme feierten Mittwinter (Julfest). Um den 25. Dezember wurde von den Persern der Mithrakult gefeiert, die Geburt des Lichtgottes Mithras. In Rom feierte man um den 25. Dezember das Fest der Saturnalien zu Ehren des Gottes Saturn. Man machte sich gegenseitig Geschenke.

Papst Hyppolit versuchte im 3. Jahrhundert, den Tag der Geburt Christi auf die Nacht vom 24. zum 25. Dezember (= Heilige Nacht) zu verlegen. Durchsetzen konnte diese Regelung jedoch erst Papst Liberius im 4. Jahrhundert. In der bildenden Kunst versteht man unter dem Begriff der Heiligen Nacht eine Darstellung der Geburt Christi im Stall. Jesus Christus ist bekanntlich im Frühjahr geboren. Das genaue Datum ist nicht bekannt.

Im 7. und 8. Jahrhundert setzt sich der Brauch, das Weihnachtsfest am 25. Dezember zu feiern, auch in Deutschland durch.

 

Bethlehem

Bet Lahm (= Brothaus) ist der amtliche Name der sieben km südlich von Jerusalem an der Straße nach Hebron liegenden Stadt, die der Überlieferung nach (Lukas 2, Mathäus 2 ) der Geburtsort Jesu ist. Hier in der Vaterstadt Davids steht als einer der ältesten noch erhaltenen christlichen Kirchenbauten, die im Jahre 330 von Kaiser Konstantin errichtete Geburtskirche, die alljährlich zur Weihnachtszeit das Ziel für Tausende von Pilgern aus aller Welt.

 

Festlegung des Datums für Weihnachten

Der 25. Dezember, der Tag der Sonnenwende war in vielen Kulturen ein besonders wichtiger Tag. Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Bei den Ägyptern wurde mit dem Isiskult die Geburt des Horus auf diesen Tag gelegt. Die Römer begingen ihre feierlichen Sarturnalien zu Ehren des Gottes Saturn, des unbesiegbaren Sonnengottes, an diesem Tag. Die Germanen feierten im norddeutschen Raum bis hinauf nach Skandinavien ihr Mittwinterfest oder Julfest, zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest. Um diese Feste ranken sich allerlei Geisterglauben, der sich in der Tradition, gerade in abgelegenen Gegenden z.B. in den Alpen, bis heute gehalten hat.

Da sowohl in Rom als auch das asiatische, ägyptische und römische Fest mit großem Pomp gefeiert wurde, versuchte Papst Hyppolit bereits um 217 all diese Kulte damit zu beseitigen, dass er das Fest der Geburt Christi auf diesen Tag, den 25. Dezember, verlegte. Man verwies darauf, dass schon das Alte Testament den erwarteten Erlöser als "Sonne der Gerechtigkeit" (Mal 3,20) bezeichnet. Außerdem habe sich Christus selbst das "Licht der Welt" (Joh. 8,12) genannt, der als das "Wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet" (Joh.1,9), in diese Welt gekommen sei.

Mit der Datierung des Weihnachtsfestes auf das Fest des "Unbesiegbaren Sonnengottes" gaben die Christen den Heiden zu verstehen: Die Sonne ist gut, und wir freuen uns ihres immer neuen Sieges nicht weniger als ihr. Aber sie hat ja keine Macht aus sich selbst, sondern sie hat nur Kraft, weil Gott sie erschaffen hat. So kündet sie uns von dem wahren Licht, von Gott, dem Schöpfer aller Dinge. Deshalb feiern wir an Weihnachten das Kommen des wahren Gottes. Den Urquell allen Lichtes, nicht aber sein Werk, die Sonne, die kraftlos wäre ohne ihn. Das ist der Sinn von Weihnachten: Es ist der Geburtstag Christi, die Wintersonnenwende der Weltgeschichte, die uns in allen Auf- und Niedergängen der Geschichte die Gewissheit gibt, dass die dunklen Mächte der Finsternis keine endgültige Macht besitzen.

Durchsetzen konnte diese Regelung aber erst Papst Liberius 354. Zum Dogma, Glaubenssatz, wurde sie auf dem 2. Konzil von Konstantinopel 381 unter Kaiser Theodosius erklärt.

Im 7. und 8. Jahrhundert setzte sich der Brauch, das Fest am 25. Dezember zu feiern auch in Deutschland durch. Die Mainzer Synode erklärt 813 diesen Tag offiziell zum "festum nativitas Christi". Mit ihm begann damals das Kalenderjahr. Der erste Januar wurde erst ca. 800 Jahre später mit Einführung des Gregorianischen Kalenders zum Jahresbeginn.

Im Verlaufe der Christianisierung der Menschheit hat das Weihnachtsfest dann seine heutige weltweite Verbreitung gefunden. Der christliche Weihnachtsfestkreis beginnt mit dem vierwöchigen Vorbereitungszeit des Advents und reicht in den katholischen Bereichen bis zum 6.1. (Dreikönig). Die Griechisch Orthodoxe Kirche feiert die Geburt Jesu erst am 6.1., die Armenier am 18./19.1.

 

Theologie des Weihnachtsfestes

Wenn die frühe Christenheit vom "Anfang" der "Frohen Botschaft von Jesus Christus" sprach, so meinte sie den Beginn seines öffentlichen Wirkens. Erst später fragte die Kirche nach dem 'Ursprung Jesu in Gott', also nach seiner Geburt, seiner Kindheit und Jugend. Diese Frage wurde im Licht des Osterereignisses gestellt und beantwortet. Die dabei berichteten Ereignisse gehören nicht mehr zur 'apostolischen Autopsie'. Sie sind Glaubens- Zeugnisse, Christusbekenntnisse der jungen Kirche. Dabei leitet Lukas und Matthäus nicht primär ein biographisches Interesse. Die Fachliteratur spricht von einer 'homologetischen Geschichtsschreibung' (von gr. homologeo = zusagen, zusichern, frei heraussagen, bekennen). Dabei steht die Geburtsgeschichte Jesu zusammen mit der Tempelgeschichte im Mittelpunkt. Diese Geburt ist prophetisch angekündigt und direkt vorausgesagt, wobei das Schema: "Verheißung, Erfüllung" die Kindheits- Erzählungen strukturiert. Ein Nebenmotiv ist die Verbindung mit den Erzählungen von der Geburt des Täufers; dabei wird primär die Zuordnung beider, erst sekundär das 'Überbietungsmotiv' deutlich.

Da in Christus die Zeit der Erfüllung und Vollendung anbricht, übernehmen die Hagiographen (Autoren der Lebensbeschreibung) die Stilmittel der Apokalyptik. Die Engel als endzeitliche Gottesboten sind hier vor allem zu nennen. So wird das Weihnachtsevangelium gleichsam von zwei Scheinwerfern angestrahlt: dem (im Licht milderen) der Prophetie und dem helleren, leuchtenderen der apokalytischen Erfüllung.

Im Evangelium des Lukas (in dem der größte Teil der Kindergeschichten Jesu beschrieben ist) fällt auf, mit wie kargen Worten die Geburt des Herrn beschrieben wird und wie breit der Evangelist die Verkündigung an die Hirten und deren Kommen darstellt. Matthäus erwähnt die Geburt nur in einem Nebensatz und wendet sich dann dem Stern der Offenbarung und dem Kommen der Magier zu. Wichtig war das Aufleuchten der Herrlichkeit Gottes, die im Kind sichtbar ist, vor den Juden und Heiden. Selbst die Weltmacht Rom (und damit alle irdische Macht) muss in den Dienst des Kindes treten. (Lukas 2,1-3 "Es begab sich aber zu der Zeit ...") Mit der Geburt Jesu soll verdeutlicht werden, dass dieses Kind wahrer Gott und wahrer Mensch in einer unauflöslichen Verbindung ist.

 

Weihnachtsgeschichte

"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus aus ging, dass alle Welt geschätzt wurde", so beginnt die im Evangelium des Lukas, Kapitel 2, Vers 1 - 20, überlieferte Darstellung von Christi Geburt.

 

Weihnachtsevangelium

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihn zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden sollte. Sie antworteten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht es bei den Propheten: Du Bethlehem im Gebiet Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Judäa; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter, da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrre als Gabe dar. Weil aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg Heim in ihr Land.

 

Krippe

Die in vielfachen Varianten bekannte figürliche Darstellung des Weihnachtsgeschehens mit dem in der Krippe liegenden Jesuskind leitet sich ursprünglich vom geistlichen Schauspiel des Mittelalters her. Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt gab es Krippenspiele, die dann aber in Vergessenheit gerieten.

Franz von Assisi war es, der am 24. Dezember 1223 in der Nähe von Rom eine Weihnachtsmesse las, bei der er als Symbol für die Geburt Christi wohl erstmals einen Stall mit Holzfiguren aufbaute. Ab 1550 verbreitete sich dieser Brauch in Kirchen, ab 1750 auch in Bürgerhäusern.

Die Krippenkunst ist ein Kennzeichen vor allem des katholischen Weihnachtsfestes und wird durch künstlerisch oft wertvolle Figuren besonders in Bayern, Tirol und Italien gepflegt.

 

Bescherung

Weihnachten ohne Bescherung ist kaum mehr denkbar. Dieser Brauch ist auch schon sehr alt. Oft war die Bescherung mit dem Nikolaustag verbunden, so dass es zu Weihnachten keine Geschenke mehr gab. An die Stelle des Heiligen Nikolaus trat der "Heilige Christ". Luthers Kinder beschenkte noch im Jahre 1535 der Nikolaus, ein Jahrzehnt später ist daraus der Heilige Christ geworden. Seit dem wandert die Bescherung immer mehr zum Weihnachtsfest ab. Offenbar hat auch die Ausbreitung des Weihnachtsbaum-Brauches dazu beigetragen, dass die Bescherung zum Weihnachtsfest abwanderte. Denn zunächst hingen die Geschenke für alle am Weihnachtsbaum oder lagen dort unter seinen Zweigen. Jedenfalls gibt es heute kleinere Geschenke zu St. Nikolaus, die eigentliche Bescherung bleibt (bis auf Niederlande, Teile Italiens...) dem Fest vorbehalten.

 

Weihnachtsmann

Er ist die unbestrittene Hauptfigur der weihnachtlichen Kinderbescherung. Kulturgeschichtlich ist der Weihnachtsmann aus der Gestalt des Knecht Ruprechts abzuleiten.

 

Weihnachtsgeschenke

Sie haben ihre christlichen Wurzel in dem Bibelwort 'Also hat Gott die Welt geliebt' in seinem Erlösungsgeschenk an uns in Gestalt seines eingeborenen Sohnes. Ein Geschenk, das durch nichts übertroffen werden kann, nur durch den Versuch, ihm so gut wie möglich nachzufolgen.

Die Weihnachtsgeschenke sind jedoch auch eine Erinnerung an die Gaben, die die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind darbrachten.

Beides soll in der Liebe weiterleben, mit der Weihnachtsgeschenke ausgetauscht werden, was schon darauf hinweist, dass es nicht um irdische Geschenke geht, sondern um Sinnbilder für die Gottes- und Nächstenliebe, die wichtiger ist als die kostbarsten Sachen. Das irdische Gegengewicht und auch der Wunsch nach gewaltigen und reichen Gaben steckt in der zweiten, in der nichtchristlichen Quelle des Gebens; der Weihnachtstermin deckt sich mit dem der Saturnalien, den römischen Feiern zu Ehren des Gottes Saturn. Dies galt als der Jahresanfang, die römischen Beamten und Sklaven wurden mit Geschenken belohnt. Jenseits der Alpen in Germanien stellten die Dienstherren ebenfalls zum neuen Jahr neue Knechte und Mägde ein, und das Gesinde wurde mit reichen Geschenken weiter verpflichtet.

Schließlich war es Sitte, die Kinder zu beschenken, was mit dem Christentum von den Perchten und Luzelfrauen auf die Heiligen überging, vor allem auf Martin und Nikolaus. Bis ins vorige Jahrhundert hinein ist vor allem den Kindern beschert worden, im Biedermeier hängte man die Geschenke in kleinen Päckchen ganz hoch in den Baum, so dass sie die Kinder nicht vorzeitig erreichen konnten.

 

Weihnachtsspiele

So nennt man aus der kirchlichen Liturgie hervorgegangene religiöse Volksschauspiele, die in volkstümlicher Art an das Geschenken um die Geburt Christi erinnern.

 

Weihnachts- oder Christbaum

Das beliebteste Symbol zur Weihnachtszeit ist der Christbaum. Erstaunlich daran ist, dass es ihn noch gar nicht so lange gibt. Der Christbaum, wie wir ihn kennen, ist noch keine 400 Jahre alt. Den Brauch jedoch, die düstere Winterzeit mit grünen Pflanzen als Hoffnung auf neues Leben und Kerzen als Hoffnung auf neues Licht zu schmücken, gab es schon immer. Die Lebenskraft, die in wintergrünen Gewächsen steckte, wurde als Heilkraft gedeutet. So glaubte man sich Gesundheit ins Haus zu holen, wenn man dieses zu Neujahr mit Grünem schmückte. Schon die Römer bekränzten ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeerzweigen. Das mittelalterliche Deutschland brachte je nach Landschaft Eibe, Stechpalme, Wacholder, Mistel, Buchs, Tanne und Fichte ins Haus.

Die Sitte, grüne Tannenzweige (Weihnachtsmaien) ins Haus zu stellen, wird sogar schon für 1494 im "Narrenschiff" Sebastian Brants bezeugt. Den ersten mit Lichtern und Sternen geschmückten Tannenbaum zeigt ein Kupferstich aus dem Jahre 1509 von Lucas Cranach dem Älteren.

Schon von 1535 ist überliefert, dass in Straßburg kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft wurden, die ohne Kerzen in den Stuben aufgehängt wurden. 1605 soll es bereits einen mit Äpfeln geschmückten, aber noch kerzenlosen Weihnachtsbaum in Straßburg gegeben haben. 1611 soll in Schlesien ein kerzengeschmückter Tannenbaum im Schloss der Herzogin Dorothea Sybille von Schlesien gestanden haben.

Im 18. Jahrhundert wurde der Tannenbaum häufiger, so berichtet Lieselotte von der Pfalz 1708 von einem Buchsbäumchen mit Kerzen. Goethe lernte den Weihnachtsbaum in Straßburg 1770 kennen, und in Berlin soll der erste Weihnachtsbaum um 1780 aufgetaucht sein. Für das Jahr 1813 werden die ersten Weihnachtsbäume aus Wien und Graz gemeldet, 1815 aus Danzig, allgemeiner verbreitet hat sich der Christbaum in Österreich erst, seit Henriette von Nassau-Weilburg, die Gemahlin des Erzherzogs Karl, im Jahre 1816 das Weihnachtsfest mit einem kerzengeschmückten Weihnachtsbaum gefeiert hatte. In die Neue Welt kam der Weihnachtsbaum gewissermaßen im Reisegepäck deutscher Auswanderer, und 1891 wurde erstmals ein Lichterbaum vor dem Weißen Haus, dem Amtssitz des Präsidenten der USA, in Washington aufgestellt.

Eine spanische Darstellung bringt den Weihnachtsbaum mit der Fällung der Donareiche in Verbindung:
Nachdem Bonifatius die Eiche gefällt hatte, wurden alle umstehenden Sträucher vernichtet. Nur ein kleiner Tannenbaum soll stehen geblieben sein, was Bonifatius als göttliches Zeichen interpretierte und er gab ihm den Namen „Christbaum“. Unter den Gläubigen soll sich dieser Name schnell verbreitet haben, was schließlich dazu führte, dass an Weihnachten ein Christbaum aufgestellt wurde.

 

Lametta

Zum verbreitetsten Schmuck des Weihnachtsbaumes, aber manchmal auch schon des Adventskranzes, gehört Lametta. Das Wort stammt aus dem Italienischen und ist eine Verkleinerungsform zu "lama" = "Metallblatt". Dünn und flach ausgewalzte Fäden aus Zinn oder Aluminium ("Silberpapier") bilden das Material.

 

Mistelzweig

Die Mistel galt schon bei den Römern als Symbol des Lebens, weil die Pflanze auch im Winter ihre grünen Blätter behält. Es gibt viele Arten von Misteln. Zu Weihnachten gelten Misteln als Glücksbringer. Wer in der Weihnachtszeit durch einen Mistelzweig hindurch geht, darf sich nicht wundern, wenn er von jemandem geküsst wird, denn dieser Brauch soll Glück im Neuen Jahr bringen.

 

Weihnachtsoratorium

Nicht wegzudenken aus den Konzertsälen der Vorweihnachtszeit sind die aus den Weihnachtsspielen abzuleitenden Weihnachtsoratorium. Die wohl bekanntesten schenkte uns im 17. Jahrhundert Heinrich Schütz, im 18. Jahrhundert Johann Sebastian Bach und im 19. Jahrhundert Joseph Haas mit dem Weihnachtsliederspiel "Christnacht".

 

Gänsebraten

"Eene jut jebratene Jans is ne jute Jabe Jottes", so heißt es in einem alten Berliner Spruch. Quer durch alle deutschen Landschaften ist die Gans nach wie vor der schon "fast Weihnachtsvogel". Der knusprige Gänsebraten gehört zum Weihnachtsfest wie das Tannengrün und die Kerzen, ohne hier eigentlich seine Herkunft zu haben. Aus England, wo heute der Puter als Festbraten gilt, ist die Weihnachtsgans zu uns gekommen. Gewissermaßen die Geburtsstunde der Weihnachtsgans schlug am Heiligabend des Jahres 1588 am Hofe der Königin Elisabeth I. Es gab zufällig Gänsebraten, als ihr die Nachricht von der Zerstörung der spanischen Armada mitgeteilt wurde. Zur Erinnerung daran galt die Gans fortan als Festbraten.

 

Christmesse oder -mette auch Christvesper

Vor allem in katholischen Gegenden verbreiteten Bezeichnungen für den Gottesdienst in der Heiligen Nacht. In neuerer Zeit hat auch die evangelische Kirche neue Formen der Christmesse gefunden und diese zu einem vor allem auch musikalischen ausgestatteten Gottesdiensten besonderer Art umgeformt.

 

Christkindl

Wohl kein Lexikon und kein Atlas nannte diesen auf den Globus einzigartigen Flecken, bis ihn ein Poststempel in aller Welt bekannt gemacht hat: Christkindl in Oberösterreich, ein Wallfahrtsort etwa 2 km westlich der Stadt Steyr a.d. Enns gelegen.

Seine Geschichte begann im Jahre 1695 oder 1696 mit dem Steyrer Thurnermeister Ferdinand Sertl, der von der als unheilbar geltenden Epilepsie befallen war. Die Zölestinerinnen in Steyr hatten ihm eine Wachsfigur des Jesuskind gegeben, die er in der Höhlung eines Baumes in der Gegend des heutigen Ortes Christkindl aufstellte und jeden Samstag zu Gebet und Andacht aufsuchte. Sertl wurde geheilt, was sich herum sprach und auch Pilger aus Tirol, Steiermark Bayern und Italien in so großer Zahl anlockte, dass aus den Opfergaben schon 1699 eine hölzerne Kapelle "Zum gnadenreichen Christkindl im Baum unserem Himmel" errichtet werden konnte. Im Jahre 1708 wurde nach Plänen des italienischen Brauchmeisters Carlo Antonio Carlone und nach dem Vorbild des Pantheons in Rom mit dem Bau der heutigen barocken Wallfahrtskirche begonnen, die schließlich von dem österreichischen Baumeister Jacob Prandtauer vollendet und 1725 geweiht wurde. Die mehr weltlich bestimmte Berühmtheit von Christkindl begann im Jahre 1950 mit der erstmaligen Einrichtung Eines Sonderpostamts zur Weihnachtszeit, über das seither alljährlich von Ende November oder Anfang Dezember bis einschließlich 6. Januar Briefe zum Weihnachtsfest in alle Welt geleitet und mit einem jährlich wechselnden Sonderstempel versehen werden.

 

Christkindl(es)markt

Der größte und wahrscheinlich älteste deutsche Weihnachtsmarkt ist der Christkindlesmarkt in der Lebkuchen- und Spielwarenstadt Nürnberg. Er wird alljährlich am 4. Dezember, dem Barbaratag, feierlich vom Christkind persönlich in Begleitung lebendiger Rauschgoldengel eröffnet, endet am 24.12. und lässt sich in seiner Frühform bis in das Jahr 1697 zurückverfolgen. Auch die österreichische Metropole Wien hat ihren Christkindlesmarkt, der ursprünglich Krippenmarkt hieß. Der Verkauf von Süßigkeiten auf einem vorweihnachtlichen Budenmarkt ist für Wien schon um 1600 nachweisbar.

 

Rauschgoldengel

Wer sieht in ihm nicht eine Nachbildung des weihnachtlichen Verkündigungsengels? Mit Gold hat er allerdings nur den leuchtenden Schein gemeinsam. Das als Unterlage von Brautkronen, Bauernhauben usw. verwendete, beim Anfassen knitternde Flitter oder Rauschgold ist materiell betrachtet ein dünner Belag aus Messingblech. Die Heimat des Rauschgoldengels ist Nürnberg. Der angesehene Puppenmacher Balthasar Hauser aus der Lebkuchenstadt soll in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege erstmalig eine solche Figur gestaltet haben, zur Erinnerung an seine verstorbene Tochter Anna, dessen Gesichtszüge der ersten Rauschgoldengel, das "goldene Annalein", trug.

 

Frautragen

Zu den Adventsbräuchen in Süddeutschland, Tirol und im Salzburger Land gehört das Frautragen. Nachts wird von den Kindern eines Dorfes ein Marienbild jeweils von einem Haus zu einem anderen getragen, womit Fruchtbarkeit erfleht werden soll. Ein ähnlicher Brauch ist die Herbergssuche.

 

Herbergssuche

An die vergebliche Suche nach einer Herberge in Bethlehem soll dieser mittelalterliche, in den Alpen noch heute geübte, Adventsbrauch erinnern. Eine Darstellung von Maria und Joseph wird im Dorf von Haus zu Haus getragen und jeweils für einen Tag als "Gast" aufgenommen.

 

Krippenspiele

Krippenspiele und Weihnachtsspiele, früher szenische Darstellungen des Weihnachtsevangeliums nur in der Kirche oder in Klöstern, findet man heute auch in Schulen und in Familien. Besonders schön sind die bayrischen und österreichischen Krippenspiele für die Kinder.

Viele Kirchen und Landschaften führen Jahr für Jahr ihr traditionelles Krippenspiel auf. So haben zum Beispiel in Coventry, England, die Handwerker der verschiedenen Gilden und Innungen, also Goldschmiede, Weber, Schneider und andere, seit dem 14. Jahrhundert jedes Jahr ein Spiel von der Geburt des Herrn aufgeführt und haben dabei ein spezielles Weihnachtslied gesungen, das heute noch gesungen wird.

 

Esel

Der Esel ist ein Demuts-Tier (Jesu Einzug zu Palmsonntag) und zugleich Wotans-Ross.

 

Kerzen

Christus-Symbol:
Kerzen bedeuten Licht in der Finsternis, Kerzen verzehren sich selbst, geben Licht und Wärme, bestehen aus jungfräulichem Wachs.

Opfer-Symbol:
Kerzen waren ein Luxusgegenstand, waren mühsam herzustellen, das Kostbare wird geopfert. Schon bei den ersten Christen wurden Kerzen statt Öl-Lampen verwendet. Kerzen bringen besser das "Sich-Verzehren" und den "Opfergedanken" zum Ausdruck.

Der Brauch, den Weihnachtsbaum mit Kerzen zu schmücken soll direkt auf Martin Luther zurück gehen. Da in katholischen Familien Weihnachtskrippen aufgestellt wurden, sei er auf die Idee gekommen, als „Ersatz“ Kerzen am Christbaum anzubringen.

 

Ketten - Girlanden

Ketten und Girlanden symbolisieren Sklavenketten der Befreiten (Galeerenketten im Dom von Toledo); Christus hat uns von Schuld und Tod befreit.

 

Gold

Gold war Gabe der Weisen; es ist ein Herrschaftszeichen; Goldschmuck am Baum, Kugeln (Reichsapfel, Weltkugel).

 

Weihrauch

Weihrauch war eine Huldigungsgabe für den altorientalischen König als Gott; Opfergabe, grenzt sakralen Raum aus (kath. und orthodoxe Kirchen); Wohlgeruch (überdeckt den "Gestank" in heißen Ländern); heute in Räuchermännchen und Wunderkerzen symbolisiert.

 

Myrrhe

Myrrhe ist das Harz einer stachligen Wüstenpflanze, die am Roten Meer wächst. Das Harz enthält ein ätherisches Öl, ist bitter. Myrrhe wurde verwendet zum Räuchern, Salben (Königssalbung: Huldigung; Leichensalbung und -Balsamierung) und Betäuben (Kreuzigung). Die adstringierende Wirkung einer Myrrhentinktur nutzte man bei Zahnfleischproblemen; Myrrhe war ein Luxusgut!

 

Rose von Jericho

Die Rose von Jericho ist eine Wüstenpflanze, eine dürre Kugel, die sich bei Wasseraufnahme begrünt und entfaltet. Sie ist ein Hoffnungsbrauch (Wachstum, Grünen, Auferstehen); exotisch.

 

Nüsse - Mandeln

Zur Weihnachtszeit gehören Nüsse und Mandeln, sie sind ein natürliches Schleckwerk; harte Schale - süßer Kern ("Gott gibt die Nüsse, aber er knackt sie uns nicht!"): Wort Gottes will mit Mühe verstanden sein. Nüsse und Mandeln besitzen eine scheinbar wertlose Schale, aber einen kostbaren Inhalt (Verborgenheit Gottes im Menschen, des Evangeliums im Stall von Bethlehem).

 

Lebkuchen

Lebkuchen = Heil-Kuchen, mit heilenden Kräutern (seit 900 in süddeutschen Klöstern). Häufig wurde er nach dem Gottesdienst verteilt, soll "schmecken" lassen, wie "freundlich der Herr ist" (7 Gewürze für 7 Tage; frz.: 9 für 3x Trinität). Die Verzierungen mit Körnern (später Zucker- / Schokoladen- Streuseln) symbolisieren: Saat der Weihnacht - gewaltige Fruchtfülle auch mit Nüssen/ Mandeln.

 

Pfefferkuchen

Pfefferkuchen = alles, was mit orientalischen ("Pfefferland") Gewürzen, Datteln, Zitronat, Feigen, Rosinen etc. gebacken wurde und daher besonders kostbar war.

 

Spekulatius

Spekulatius (= Aufseher): "Bischofs"-Gebäck, Bildgebäck, auf dem die Nikolaus-Geschichte dargestellt ist und das zum 6.12. an Kinder verteilt wird.

 

Stollen

Stollen = Bildgebäck für Wickelkind, soll das Jesuskind in Windeln symbolisieren, evtl. auch an den Kindermord von Bethlehem erinnern.

 

Moppen - Pflastersteine

Moppen, Pflastersteine erinnern an die Steinigung des Stephanus (26.12.).

 

Marzipan

Marzipan = marcipanis = Markusbrot (Venedig!): Myrrhen- und Bittermandel-Konfekt. Nach der Lesung wurde es von den Gaben der Weisen verteilt (Kreuzfahrer erleben es beim 2. Kreuzzug am 6.1. (Epiphanias) in Alexandria und bringen es nach Europa; venezianisches Einfuhrmonopol); - später in Königsberg und Lübeck ohne Myrrhe hergestellt.

 

Tirggel

Tiggel = Zürcher Gebild-Gebäck (Weizenmehl mit Gewürzen und Honig), flache Scheiben, die als Positiv-Reliefs aus geschnitzten Modeln hochdifferenzierte Darstellungen religiöser und säkularer Themen zeigen. Vor allem zum 6.12. und zu Neujahr bzw. Berchtoldstag verschenkt.

 

Epiphanias

"Erscheinung" bedeutet das griechische Wort "Epiphanias"; gemeint ist die Erscheinung des Herrn, die in den ersten christlichen Jahrhunderten am 6. Januar gefeiert wurde, ehe man das diesem Ereignis gewidmete Fest im 4. Jahrhundert auf den 25. Dezember vorverlegte. Erst dann bekam der 6. Januar den Namen Dreikönigstag .

Das Fest der Erscheinung, des Offenbarwerdens der Gott- und Königswürde Christi ist das zweite Hoch-Fest zur Weihnachtszeit. Es ist auch das Drei-König-Fest, das Fest der drei Magier oder Weisen aus dem Morgenland, von deren Reise hinter dem Stern her das Evangelium an diesem Tag erzählt. Die drei Magier, Kaspar, Melchior und Balthasar, sind der weiten Reise wegen, die sie vom Morgenland nach Bethlehem unternommen haben, die Schutzpatrone der Reisenden.

Wirtshäuser mit den Namen "Zur Krone", "Zum Stern", "Zum Mohren" oder zu den "Drei Königen" sind nach ihnen benannt. Ihre Gebeine sind 1163 vom Orient nach Köln in den ihnen zu Ehren gebauten Dom gebracht worden, und diese Reliquien haben zu Dreikönigsspielen in Kirchen und Klöster angeregt. Daraus hat sich im Laufe des Mittelalters der Brauch der Sternsinger entwickelt.

 

Sternsinger

Seit Ende des 16. Jahrhunderts hat sich besonders in den Niederlanden und Belgien, aber auch in Deutschland ein Brauch eingebürgert, der sich bis heute erhalten hat. Verkleidete Männer oder Knaben zogen als Dreikönige oder auch als Gefolgsleute eines vorausgetragenen großen Sterns von Haus zu Haus. Sie trugen weiße Hemden, waren als Könige verkleidet oder hatten ortsabhängig bestimmte Kostüme an.

Die Sternsinger erzählten von der Geburt Christi, der Anbetung in Bethlehem und von Herodes und seinem Ende. Anschließend baten sie um Gaben wie Kuchen, Nüsse oder Geld.

Dieser zuerst sehr ernsthaft geübte Brauch drohte streckenweise ins Komische umzuschlagen. So wurden im 18. Jahrhundert oft Schelmenlieder in Psalmenform vorgetragen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam das Sternsingen nahezu in Vergessenheit. Erst in unserem Jahrhundert ist man bemüht, diesen Brauch wieder aufleben zu lassen.

In den Niederlanden ist aus dem ursprünglichen Sternsingen ein Kinderfest geworden. Die Kleinen ziehen dabei mit Lampions durch die Straßen.

 

C+M+B oder K+M+B

Noch heute werden diese Buchstaben als Segens- und Beschwörungsformel am 6. Januar, dem Dreikönigstag, in katholischen Gegenden besonders in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz mit Kreide an den oberen Türrahmen geschrieben. Es sind die Anfangsbuchstaben der Heiligen Drei Könige Caspar (Kaspar), Melchior und Balthasar. Schon aus dem christlichen Altertum sind uns zahlreiche Anwendungsformen dieser Buchstabengruppe als Schutzformel überliefert, so auch zur Abwendung der verschiedensten Krankheiten vom Kinderfieber bis zur Altersgicht.

 

Dreikönigsfest - Dreikönigstag

Der 6. Januar führt gleich zu zwei Namen im Kalender, nämlich Epiphanias und Dreikönigstag. In vielen Familien wird der Weihnachtsbaum zum letzten Mal angezündet und anschließend geplündert. Mit dem Dreikönigstag gehen die Zwölf Nächte zu Ende, man schreibt mit Kreide die Buchstaben C+M+B an die Haustür und hofft, damit wieder für ein Jahr alles Übel fernhalten zu können. Caspar, Melchior und Balthasar, die drei Weisen aus dem Morgenland, geben den Hintergrund des Brauchs.

 

Dreikönigszettel

Zu den mannigfachen Ausdrucksformen der den Heiligen Drei Königen entgegengebrachten Verehrung gehören auch amulettartig benutzte Papiere mit dem Zeichen C+M+B und den verschiedenen Beschwörungs- und Wunschformeln. Dieser Dreikönigszettel wurden vor allem von den Pilgern, aber auch sonst auf den gefährlichen Reisen im Mittelalter als beruhigendes Reisepapier mitgeführt. Die große Verehrung der Heiligen Dreikönige als Reisepatrone spiegelt sich noch heute auch im Namen vieler alter Gemäuer an den Zugstraßen des Verkehrs wider, zum Beispiel "Zum Mohren", "Zum Stern" oder gar "Zu den drei Königen".


 

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